Geschichte der Tonhalle Wil
Geschichtliches
Stattlich und elegant präsentiert sich die Tonhalle südlich vor der Altstadt. Die städtebauliche Lage als Einzelbau und das bauliche Ensemble mit dem Tonhalleschulhaus sind einmalig.
1876 wurde das Gebäude, im Auftrag der Ortsbürgergemeinde Wil, als Zweckbau Turn- und Tonhalle unter der Leitung des Baumeisters Joseph Bösch (1839-1922) erbaut. Sein Lehrmeister war Gottfried Semper, der mit Stilelementen der Neu-Renaissance, inspiriert von den pompejanischen Wandmalereien, gearbeitet hat. Joseph Bösch aber hat den Bau nüchtern, ausschliesslich in grau und beige, gehalten.
Nach Renovationen und Erweiterungen in den Jahren 1904 und 1943, bekam die Tonhalle 1976/78 ein farbenfroheres Aussehen. Dieses Erscheinungsbild ist das Verdienst des mit der dritten Renovation betrauten Zürcher Architekturbüros «Schwarz und Gutmann». Diese Architekten haben den Stil der Neu-Renaissance respektiert, aufgefrischt und so gesteigert, dass die hellen und kontrastreichen Farben Gelb, Grün und Rot im Vordergrund standen.
Der Name «Tonhalle» lässt eher auf einen Konzertsaal, als auf einen Theatersaal schliessen. Tatsache ist jedoch, dass die Tonhalle 1876 als Mehrzwecksaal konzipiert wurde. Es fanden dort einerseits die traditionellen Aufführungen der Theatergesellschaft Wil, andererseits auch Konzerte, Ausstellungen jeglicher Art, Modeschauen, Boxkämpfe und vieles mehr statt.
In den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann unter der Leitung von Benno Ruckstuhl für die Tonhalle eine neue Ära.
Theateraufführungen, Konzertveranstaltungen, Opern und Operetten wurden von Gastspielagenturen eingekauft und im neu gestalteten Theatergebäude einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Die Zahl der interessierten Musik- und Theaterbegeisterten, die regelmässig Aufführungen besuchten nahm stetig zu, so dass bald einmal das Tonhalle-Abonnement geboren war. Durch die interessante und vielseitige
Programmgestaltung gelang es Benno Ruckstuhl der Tonhalle ein treues Publikum zu erhalten.
Unter Leitung der Musikerin und begeisterten Theaterfrau Susanna Wipf, wird diese Tradition seit 1999 fortgesetzt und vertieft. Mit Feingefühl und dramaturgischem Geschick hat sie dem Haus und dem Gastspielbetrieb ihre neue, unverkennbare Handschrift verliehen. Durch sorgfältige Programmauswahl und Publikumsnähe, Transparenz und Offenheit für Neues, ist die Tonhalle Wil zu einem der interessantesten Gastspielhäuser der Schweiz geworden.
Renovation 2005/2006
Nach einjähriger Sanierung und Renovation unter Leitung der Wiler Architekten Angehrn & Spiess öffnet die Tonhalle Wil im April 2006 ihre Türen wieder dem Publikum.
Sie hat an Glanz und Farbe gewonnen. Man hat bewusst darauf geachtet, das bestehende Konzept beizubehalten. Es wurde aber weiterentwickelt, so dass das Haus nun in allen Bereichen mehr Festlichkeit ausstrahlt.
Bei allen Erneuerungen und Auffrischungen wurden die Materialisierung und Farbgebung erhalten. Einige Bau- und Technikteile hatten das zyklische Renovationsalter erreicht oder mussten überholt werden. Andere Einrichtungen wurden durch modernste Anlagen ersetzt. So wurden die Bühnentechnik, die Heizung/Lüftung, die Elektroinstallation, der Brandschutz, um nur einige zu nennen, total erneuert und modernisiert.
Die neue Bestuhlung entspricht den heutigen Anforderungen an den Komfort, ist bequem, rückenfreundlich und bietet genügend Beinfreiheit. Die Teleskoptribüne ermöglicht eine vielseitigere Nutzung des wunderschönen Theatersaals. Für hörbehinderte Theater- und Konzertbesucher wurde sowohl im Parterre als auch in den Estraden Induktionsschlaufen eingebaut. Der neue Theatervorhang mit seinem leuchtend dunklen Rot bringt zusammen mit der ergänzten Bemalung eine neue Frische in den Saal. Eine Besonderheit sind die neuen Innenläden. Sie verbessern nicht nur die Akustik wesentlich, sondern sind auch ästhetischer Blickfang und tragen zur gesteigerten festlichen Atmosphäre des Saales bei. Auch deshalb gehört der grosse Theatersaal schweizweit zu einem der schönsten und markantesten.
Der frisch gestaltete Eingangsbereich mit der Ticketverkaufsstelle und dem Bürotrakt präsentiert sich hell und kundenfreundlich. Dazu richtete man ein behindertengerechtes WC ein. Der untere Bereich der Tonhalle mit dem Kleinen Saal und dem Theatercafé lädt nach wie vor zum gemütlichen Verweilen ein.
Der Anbau auf der Südseite wurde bewusst in die bestehende Architektur eingefügt. Er bringt den für einen optimierten Betriebsablauf zusätzlich benötigten Raum für Büro, Lager und Technik.
Viele andere Veränderungen und Details springen dem Besucher nicht direkt ins Auge, sorgen aber für den reibungslosen Ablauf des Betriebs und den uneingeschränkten Kunstgenuss des Publikums.
Kulturangebot
Ein vielfältiges Kulturangebot ist für unsere Kleinstadt sehr wichtig. Als nicht wegzudenkende Bereicherung für Wil und die ganze Region steht die Tonhalle seit 130 Jahren südlich der Altstadt. Im Auftrag der Ortsgemeinde und der Stadt Wil bieten die Verantwortlichen der Tonhalle Wil einem breiten Publikum ein professionelles Theater- und Konzertprogramm an.
Eine stattliche Anzahl treuer Abonnentinnen und Abonnenten besucht regelmässig die abwechslungsreichen Vorstellungen. Das anspruchsvolle Theater- und Konzertpublikum zeigt, dass sich das Haus über die Region hinaus grosser Beliebtheit erfreut.